Das Max-Becker-Areal in Köln-Ehrenfeld soll entwickelt werden:
BETONGOLD- ODER GEMEINWOHLORIENTIERT? 
Die Stadt Köln lädt ein zu einem Echtzeit-Online-Dialog zum Entwicklungsprozess

Welche Entwicklungen zeichnen sich für das Areal ab? Durch kritische Begleitung dieses Prozesses können wir die Stadtgesellschaft unterstützen.

STADTRAUM 5#4 e.V. möchte alle Bürgerinnen und Bürger Kölns dazu aufrufen, sich an dem künftigen Diskurs intensiv zu beteiligen und öffentlich für eine gemeinwohlorientierte Entwicklung einzutreten

Den Veranstaltungshinweis der Stadt und die zur Verfügung gestellten Informationen findet Ihr hier.

 

STADTRAUM 5und4 zum Thema Max-Becker-Areal: 
In Zeiten der Corona-Pandemie ist die Beteiligung der Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliches Engagement deutlich erschwert. Gleichzeitig befindet sich die Stadtentwicklung lokal wie global in einem Transformationsgeschehen, welches durch Krisen (Klimawandel, Demokratiemüdigkeit, Verkehrsproblematik, Wohnungsnot) noch beschleunigt wird. Umso wichtiger ist, dass eine zukunftsfähige Stadtentwicklungspolitik sich nicht darauf beschränkt, irgendwie Wohn- und Gewerbeflächen zu bauen, sondern sich an transparent verhandelten und offen kommunizierten Gemeinwohl-Kriterien ausrichtet. 

Wie im Mehr-Als-Wohnen-Pakt gefordert, engagieren wir uns als zivilgesellschaftliche Akteure für die nutzungsgemischte Stadt für alle, sowie für ein neues, umfassendes Gemeinwohlverständnis im Umgang mit Grund und Boden. Der spekulative Immobilienmarkt bietet aus unserer Sicht keine ausreichend zukunftsfähigen Lösungen für die sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Städte.

Das Max-Becker-Areal in Köln-Ehrenfeld ist seit Ende 2019 als großes Stadtentwicklungsgebiet im Gespräch, wenngleich ein öffentlicher Diskurs unter den Bedingungen von Kommunalwahl und Pandemie bisher kaum stattfinden konnte. Ausgangspunkt für die stadtentwicklungspolitische Debatte ist der private Grundstücksverkauf des ca. 12,5 ha großen Betriebsgeländes des Metall-Recycling-Unternehmens Max Becker an die Pandion AG im November 2019. Stutzig macht dabei der kolportierte Verkaufspreis von rund 175 Millionen Euro für ein Areal, das bis dato einen Schrottplatz in einem Industriegebiet darstellt.

Aufgrund der guten Lage könnte das Areal ein neues urbanes Quartier und damit zu wertvollem Bauland werden. Der hohe Verkaufspreis ist also eine Wette auf die Zukunft, denn nur durch ein geändertes Baurecht für einen stark verdichteten Wohn- und Bürostandort lassen sich Erträge generieren, die dem bereits bezahlten Bodenpreis entsprechen. So oder so - bereits heute steht das Unternehmen Max Becker als erster großer Gewinner fest, da es sein Betriebsgelände im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte stückweise aus kommunaler Hand ins private Eigentum übernahm, musste damals aber nur einen Bruchteil der jetzt erlösten Verkaufssumme dafür bezahlen. Die überschüssigen zig Millionen Euro können als sogenannte leistungslose Bodenwertsteigerung verbucht werden – letztendlich auf Kosten der Allgemeinheit, indem diese immensen Grundstückskosten von der Projektentwicklergesellschaft Pandion AG auf die zukünftigen Nutzer_innen durchgereicht werden, die in vielleicht 10 Jahren auf dem Areal Leben und Arbeiten sollen.

Die Entwicklung des benachbarten Alter-Güterbahnhof-Areals zeigt exemplarisch, wie eine solche Projektentwicklung, ohne echte Bürgerbeteiligung und mit mangelnden gemeinwohlorientierten und stadtentwicklungspolitischen Zielvorgaben, aussieht und wie sich solcherart spekulative Grundstückspreise auswirken: es werden vorwiegend höchstpreisige und monofunktionale Eigentumswohnungen für Kapitalanleger gebaut. Der Entwickler auf diesem Areal ist ebenfalls die Pandion AG. 

Ist eine ähnliche Entwicklung auch auf dem Max Becker-Areal zu erwarten?
Im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung der Öffentlichkeit reicht es keinesfalls, nur über die allgemeinen Ziele der Planungen zu informieren, sondern es braucht einen intensiven Diskurs über unterschiedliche Möglichkeiten für die Neugestaltung und Entwicklung des Quartiers, sowie die voraussichtlichen Auswirkungen der Planung. Wir und andere zivilgesellschaftliche Akteure möchten gemeinsam mit Politik, Presse und Stadtgesellschaft diesen Beteiligungsprozess kritisch begleiten, an dessen Ende der rechtskräftig beschlossene Bebauungsplan - hoffentlich verbunden mit strengen Auflagen für eine zukunftsfähige gemischte Quartiersentwicklung und abgesichert durch wasserdichte städtebauliche Verträge - stehen wird. Wir treten ein für gemeinwohlorientierte, transparente Ziele der Kölner Stadtentwicklungspolitik, denn letztlich ist es der demokratisch legitimierte Rat der Stadt, der zusammen mit der Stadtverwaltung alle Fäden in der Hand hält – zumindest solange, bis das rechtskräftige Baurecht (B-Plan) durch den Kölner Stadtrat beschlossen wurde. 

Zu einer ersten Öffentlichkeitsveranstaltung hat nun die Stadt Köln am 30.10.2020 um 18:00 Uhr eingeladen, bei der allen interessierten Bürger_innen der bisherige Stand zum städtischen Entwicklungsprozess vorgestellt werden soll: „Von Beginn an ist der intensive öffentliche Dialog über die Zukunft des Max Becker-Areals und sein produktiver Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung erforderlich und gewünscht.“

Wir sind gespannt auf diese Veranstaltung, die leider aufgrund der Corona-Situation ausschließlich digital verfolgt werden kann. Ursprünglich hatten wir geplant, ein öffentliches Verfolgen des Livestreams mit Diskussion im Neuehrenfelder WandelWerk zu veranstalten, mussten dies aber aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Situation kurzfristig absagen. Dennoch möchten wir uns beim WandelWerk ausdrücklich für das Angebot bedanken, und hoffen darauf, nach Eindämmung der Corona-Pandemie in den großzügigen Räumlichkeiten des zwischengenutzten, ehemaligen Autohauses weitere Angebote für konkrete Bürger_innen-Beteiligung zu schaffen - und haben auch schon spannende Ideen dafür. Am Beispiel der in den vergangenen Monaten so vielfältig und lebendig genutzten WandelWerk-Hallen wird einmal mehr die hohe Bedeutung von Begegnungs- und Freiräumen in einer wachsenden Stadt deutlich.

Wir möchten Sie trotz Corona einladen und aufrufen, mit uns gemeinsam den Online-Dialog zur Bürger_innen-Information zu besuchen – von zuhause aus.

Mit der geplanten Weiterführung gilt es zunächst abzuwarten, wie sich die Corona-Situation entwickelt. Aber auch online werden wir uns zu Wort melden und, sobald es wieder möglich wird, auch live an dem kritischen Dialog beteiligen, wie wir uns die Entwicklung des gemeinwohlorientierten Wohnens in unserer Stadt vorstellen – auf dem Max-Becker-Areal, in Ehrenfeld, in Köln und über die Stadtgrenzen hinaus.

Ihr Team von STADTRAUM 5und4 e.V.

 
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